Übersicht über berufsständischen Versorgungswerke

Eine Information von Rentenberater Ernst Heise-Luis www.heise-luis.de

Die berufsständischen Versorgungswerke sind Sondersysteme, die für die kammerfähigen freien Berufe der Ärzte, Zahn- und Tierärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer usw., die eine Pflichtversicherung bezüglich der Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung sicher stellen.

Sie sind Pflichtversicherungseinrichtungen, die auf der Grundlage von Landesgesetzen errichtet wurden. Einige Versorgungseinrichtungen verpflichten alle Mitglieder einer Berufsgruppe (z. B. die ärztlichen), während bei anderen die Pflichtmitgliedschaft im Regelfall nur freiberufliche Berufsträger erfasst (z. B. die anwaltlichen).

Wer aufgrund einer Versicherungspflicht (z. B. im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses) sowohl zur gesetzlichen Rentenversicherung als auch zu seinem berufsständischen Versorgungswerk Beiträge entrichten muss, hat bei Versorgungswerken, zu deren Berufskammer bereits vor dem 1. Januar 1995 eine Verpflichtung zur Mitgliedschaft bestand, die Möglichkeit, sich von der Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung befreien zu lassen. Zur Vermeidung eines Fristversäumnisses sollten Sie sich unverzüglich bei Aufnahme einer Beschäftigung mit dem für Sie zuständigen Versorgungswerk in Verbindung setzen. Ein Versäumnis der Antragsfrist (drei Monate nach Aufnahme der Beschäftigung) führt üblicherweise zu einer doppelten Beitragsbelastung bis der Antrag nachgeholt wurde.

Die später gegründeten Versorgungswerke (vor allem die Psychotherapeutenversorgungen) vermitteln kein Befreiungsrecht mehr.

Das wichtigste Regelwerk ist die jeweilige Satzung des Versorgungswerkes. Am besten fordern Sie eine aktuelle Ausgabe der Satzung an. Die Satzung informiert über

  • Aufbau der Versorgung
  • Mitgliedschaft
  • Beiträge
  • Leistungen
Zur Mitgliedschaft:

Während die gesetzliche Rentenversicherung Selbstständige nur ausnahmsweise in die Versicherungspflicht einbezieht, ist die Pflichtmitgliedschaft und Beitragspflicht in der berufsständischen Versorgung auch für diesen Personenkreis die Regel.

Ein Wechsel des Zuständigkeitsbereiches führt auch zum Wechsel des Versorgungswerkes, wobei nach einer kurzen Mitgliedschaft unter Umständen ein Recht auf Überleitung gegeben ist. Hier bietet sich ein Leistungsvergleich und eventuell eine fachliche Beratung an.

Zu den Beiträgen:

Die Beiträge für die angestellten Mitglieder orientieren sich normalerweise an den Berechnungsgrundlagen, die auch in der gesetzlichen Rentenversicherung gelten. Auch der Arbeitgeberanteil an den Beiträgen ist gesetzlich geregelt.

Freiberuflich und Selbstständig tätige Mitglieder werden dagegen nach den meisten Satzungen zu einem Beitrag herangezogen, der mindestens dem Höchstbeitrag in der gesetzlichen Rentenversicherung entspricht. Bei Einkünften unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze sind allerdings Beitragsermäßigungen geregelt.

Zu den Leistungen:

Vergleicht man die Leistungen, die bei gleich hoher Beitragszahlung aus der gesetzlichen Rentenversicherung und aus der berufsständischen Versorgung beansprucht werden können, so sind die Versorgungswerke hinsichtlich der Rentenhöhe grundsätzlich im Vorteil. Nachteile sind dort im Falle einer teilweise aber noch nicht vollständig entfallenen beruflichen Leistungsfähigkeit und bei Erfordernis von Rehabilitationsmaßnahmen zu erwarten.

Berufsständische Versorgung und Kindererziehungszeiten:

Die Satzungen der Versorgungswerke enthalten Regelungen, wie sich Kindererziehungszeiten auf die Rentenhöhe auswirken. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung handelt es sich hierbei in den meisten Satzungen ledig um ein mehr oder weniger gutes Abfedern einer Beitragsfreistellung, nicht jedoch um eine Steigerung der Anwartschaftshöhe. Da die Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung aus Steuermitteln finanziert werden, wurde – angeregt durch die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts – der früher geltende Ausschluss der berufsständisch Versorgten von der Anrechnung der Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung aufgehoben. Sie können nun auf Antrag in dem eigentlich nicht zuständigen System berücksichtigt werden, wenn ihr Versorgungswerk keine vergleichbare Regelung vorsieht.

Wer zum Erreichen der Regelaltersgrenze noch nicht die Wartezeit für einen Rentenbezug erfüllt hat, was auf die meisten berufsständisch Versorgten zutrifft, kann die fehlenden Monate durch freiwillige Beiträge auffüllen, was sich durchaus lohnen kann. Auf diesem Wege können auch Rentenbezieher der Versorgungswerke noch in den Genuss eines zusätzlichen Anspruches kommen. Allerdings erfolgt keine rückwirkende Zahlung.

Berufsständische Versorgung und Arbeitslosigkeit:

Werden Sie als Mitglied einer berufsständischen Versorgungseinrichtung arbeitslos, können und sollten Sie zusammen mit Ihrem Antrag auf Arbeitslosengeld die Übernahme der Beiträge zum Versorgungswerk durch die Arbeitsagentur beantragen (bitte den Befreiungsbescheid oder die Befreiungsbescheinigung der Deutschen Rentenversicherung vorlegen). Leider weisen nicht alle Sachbearbeiter der Arbeitsagenturen bei der

Entgegennahme von Leistungsanträgen auf diese Möglichkeit hin. Die Beitragszahlung zum Versorgungswerk führt nicht zu einer Kürzung Ihres Arbeitslosengeldes.

Berufsständische Versorgung und Auslandstätigkeit:

Wer eine Berufstätigkeit in einem Land aufnimmt, mit dem die Bundesrepublik Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen für den Bereich der Altersversorgungssysteme getroffen hat, unterliegt in den meisten Fällen den Regelungen zur Versicherungspflicht im Aufenthaltsland. Das Europäische Sozialversicherungsabkommen regelt für einen solchen Fall, dass bei der Prüfung, ob Wartezeiten erfüllt wurden, auch die Zeiten, die in anderen Abkommensstaaten zurückgelegt wurden, berücksichtigt werden. So kann es gelingen, dass relativ kurze Auslandsaufenthalte, die für sich genommen in dem anderen Land noch keine Ansprüche begründen würden, durch die berufsständische Versorgung in Deutschland zu einer weiteren (kleinen) Rente führen.

Während in Deutschland Zeiten regelmäßig nur innerhalb eines Versorgungssystems angerechnet werden, können nach dem EU-Sozialversicherungsabkommen Zeiten aus der Ärzteversorgung in Deutschland zur Erfüllung der Wartezeit z. B. in der französischen gesetzlichen Rentenversicherung führen.

Lassen Sie sich bitte von Ihrem Versorgungswerk und in Zweifelsfragen auch durch einen unabhängigen Berater ausführlich informieren und beraten.

Eine Information von Rentenberater Ernst Heise-Luis www.heise-luis.de