Antrag auf Erwerbsminderungsrente rückwirkend stellen

In Kategorie: Keine Kategorie - Rentenberater Forum Startseite




Frage von: ISL am: 12.01.2018 - 11:41 Uhr gestellt
(Beitrag bzw. Frage wurde 104 mal gelesen)

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin seit meiner Kindheit chronisch erkrankt, die Erkrankung verschlimmert sich vom Jahr zu Jahr. Seit 2009 konnte ich nur unter 50% Teilzeit arbeiten, abwechselnd mit längeren AU-Zeiten und medizinischen Maßnahmen.

In 2015 habe ich letztmalig arbeiten können, danach Gutachten des MD der Agentur f Arbeit: Berufsunfähigkeit, Erwerbsfähigkeit bis zu 4 Stunden tägl. am allg. Arbeitsmarkt für wenig anspruchsvolle & leichte Tätigkeiten. Eine erweiterte Berufsfindung Arbeitserprobungsmaßnahme (EBA) der Agentur hat daraufhin jedoch eine AU ergeben. Seitdem AU (seit Februar 2016) und im Krankengeldbezug bis zu einer medizinischen Reha in Okt-Nov 2016. Vor der Reha erfolgte ein Gutachten des MdK der die AU und die Erwerbsminderung bestätigt. Die Rehamaßnahme war auch nicht erfolgreich. Bis dato bin ich AU geschrieben und zwischendurch im Krankenhaus gewesen.

Den Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellte ich erstmalig im Januar 2017, Rückwirkend "zumindest ab der nicht erfolgreichen Reha". Die mir übersandten Unterlagen konnte ich jedoch wegen Zustandsverschlechterung nicht mehr einreichen, das Verfahren ruht z.Z. Nun mit Hilfe des Sozialdienstes des Krankenhauses möchte ich den Antrag einreichen.

Meine Frage: Wie weit zurück kann ich den Antrag rückwirkend stellen?

Die volle Erwerbsminderung läßt sich zumindest seit der EBA im Feb 2016 bestätigen, ist jedoch bereits seit April 2015 plausibel anzunehmen und teilweiser Erwerbsminderung ist seit April 2015 bestätigt. Die 7-Monatige Wartezeit seit Eintritt der vollen EM ist spätestens seit Sept 2016 erfüllt, für die teilweiser EM seit November 2015.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

diese Frage beantworten


Antwort:


von: Gernot Telschow am: 12.01.2018 - 16:54 Uhr

Gegenfragen:

1. Wird in den Vordrucken, die Sie ausfüllen sollen, überhaupt die Frage gestellt, ob und ab wann Sie Rente wegen Erwerbsminderung beantragen?

2. Wenn nicht - was ich für wahrscheinlich halte - dann sollten wird doch vom med. Dienst der RV festgestellt werden, seit wann Erwerbsminderung vorliegt und die Rentenanteilung legt nach den gesetzlichen Vorschriften fest, ab wann Rente zu zahlen ist.

diese Antwort kommentieren


Antwort:


von: ISL am: 12.01.2018 - 19:47 Uhr

Vielen Dank Herr Telschow,

tatsächlich wird in dem Antragsformular weder nach dem Zeitpunkt gefragt, noch ob volle oder teilweiser Erwerbsminderungsrente beantragt wird.

Oft ist es aber so, dass wenn man es nicht erwirkt, Anträge erst ab der Antragstellung gelten, auch wenn aus den Unterlagen rückwirkende Bewilligung ersichtlich wäre. Vgl. http://www.genten.de/rm/115000-euro-nachzahlung-erwerbsminderungsrente-nachtraeglich-bewilligt

Was die Rechtsgrundlagen angeht, so weiß ich nur, dass man einen Untersschied danach macht, ob eine EM-Rente auf Zeit oder auf Dauer bewilligt wird. Und das läßt sich bei vielen Erkrankungen nicht einfach entscheiden, eher de facto.

Aus: deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232616/publicationFile/49858/erwerbsminderungsrente_das_netz_fuer_alle_faelle.pdf

"Befristete Renten

Eine befristete Rente beginnt frühestens mit dem siebten Kalendermonat nach Eintritt Ihrer Erwerbsminderung. Damit sie rechtzeitig gezahlt werden kann, reicht es aus, wenn Sie die Rente bis zum Ablauf dieses siebten Kalendermonats beantragen.

Stellen Sie Ihren Antrag erst später, beginnt die Rente „auf Zeit“ erst mit dem Antragsmonat.

und

"Unbefristete Renten

Wenn Sie Ihren Rentenantrag innerhalb von drei Kalendermonaten nach Eintritt der Erwerbsminderung bei der Rentenversicherung einreichen, wird Ihre un­befristete Rente ab dem Monat nach Eintritt der Erwerbsminderung gezahlt.

Liegt Ihr Antrag erst nach Ablauf der drei Kalendermonate vor, zahlt die Renten versicherung die Rente erst vom Antragsmonat an."

Ich weiß aber von Fällen, wie der o.g. Fall der rückwirkenden Bewilligung über mehrere Jahre hinweg. Und dass zumindest mein Reha-Antrag in einen Rentenantrag u.U. umgedeutet werden kann. D.h. rückwirkende Beantragung/Bewilligung ist u.U. möglich.

Meine Beführchtung ist, dass wenn ich die Rückwirkung schriftlich nicht geltend mache, mir die Rente automatisch nur ab dem Monat der Antragstellung bewilligt wird. Teilweiser EM liegt bei mir nun seit 2010 und das ist viel Geld.

Bin ich mit dem Sachverhalt und Frage beim VdK richtig?

diese Antwort kommentieren


Antwort:


von: Gernot Telschow am: 12.01.2018 - 23:53 Uhr

Warum nicht den VdK fragen - gerne!

Aber auch dort wird man Ihnen sagen, dass die Beantragung eines Termins für den Beginn der Rente wegen Erwerbsminderung wenig Sinn macht, weil Ihnen ein gesetzliches Recht, den Beginn zu bestimmen (= zu beantragen) nur in den Grenzen der §§ 99 u. 101 SGB VI zusteht und das bedeutet halt, dass es entscheidend auf den (strikt medizinisch zu beurteilenden) Zeitpunkt des 'Eintritts der Erwerbsminderung' ankommt. In Ihrem Fall könnte (da Reha)auch der § 116 SGB VI von Bedeutung sein.

diese Antwort kommentieren

diese Frage beantworten