Beispielsfälle, Problemfälle Rentenversicherung

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Fall 1:

Bei Selbständigen mit nur einem Auftraggeber und anderen Selbständigen die Kraft Gesetzes in der Rentenversicherung versicherungspflichtig sind taucht in der Praxis der Rentenberatung immer wieder eine ähnliche Fallkonstellation auf. Klaus R. hat sich nach Aufnahme seiner selbständigen Tätigkeit von einem Mitarbeiter eines privaten Versicherungsunternehmens beraten lassen und eine private Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Lebensversicherung zur Vorsorge abgeschlossen. Leider hat Klaus R. allerdings nicht an die gesetzliche Rentenversicherung gedacht. Aus seiner Sicht war er ja selbständig. Klaus R. erhielt nach einigen Jahren von der Deutschen Rentenversicherung einen Versicherungsverlauf zugeschickt, mit dem Hinweis zu prüfen ob alle Daten richtig erfasst sind und der Versicherungsverlauf vollständig sei. Beigefügt waren Vordrucke für eine Kontenklärung. In diesen Vordrucken wurde auch gefragt, wann der letzte Beitrag zur Rentenversicherung gezahlt wurde und aus welchen Grund keine weitere Beitragszahlung erfolgte. Dies beantwortete Klaus R. ordnungsgemäß mit dem Hinweis: „Keine Beiträge wegen selbständiger Tätigkeit“. Diesen Hinweis nahm die Rentenversicherung zum Anlass zu prüfen, ob die von Klaus R. ausgeübte Tätigkeit der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung unterliegt. Da Klaus R. nur für einen Auftraggeber tätig war und auch keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigte, stellte die Deutsche Rentenversicherung fest, dass Klaus R. versicherungspflichtig ist. Sie erließ einen Beitragsbescheid für die letzten 4 Jahre mit einer Beitragsforderung von über 22.000 Euro.

Fall 2:

Burkhard W. 36 Jahre, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Der Justitiar einer Sparkasse verunglückt auf dem Weg zu einem Kongress mit dem Auto. Aufgrund seiner schweren Verletzungen bleibt Burkhard W. auch nach einer langen Rehabilitation dauernd völlig erwerbsgemindert. Als Arbeitnehmer war Burkhard W. Pflichtversicherter der gesetzlichen Rentenversicherung. Außerdem zahlte die Sparkasse für den Arbeitnehmer Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft = BG). Während der fast 2jährigen Rehabilitationsbemühungen zahlte die BG Verletztengeld (ähnlich Krankengeld). Nachdem die Wiedereingliederung in das Berufsleben aufgrund der schweren Verletzungen scheiterte, stellten Renten- und Unfallversicherungsträger zwei Renten fest. Von der gesetzlichen Unfallversicherung erhält W. eine Unfallrente. Sie beträgt aufgrund der unfallbedingt vollkommen eingeschränkten Minderung der Erwerbsfähigkeit 2/3 seines Jahresarbeitsverdienstes. W. verdiente brutto 72.000 Euro. Die Rente beträgt 48.000 Euro jährlich. Die Rentenversicherung stellte ebenfalls eine Rente wegen voller Erwerbsminderung fest, die allerdings in gewissen Umfang wegen des Zusammentreffens mit der Unfallrente gekürzt wird. Obwohl W. wahrscheinlich nie wieder erwerbsfähig sein wird, ist die wirtschaftliche Existenz der Familie gesichert. Beide Renten werden lebenslang gezahlt.

Fall 3:

Burkhard W. war als Angestellter der Sparkasse gegen das Risiko unfallbedingter Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit gut abgesichert. Was wäre geschehen, wenn der 36-jährige Familienvater den schweren Verkehrsunfall während der Ausübung einer freiberuflichen Tätigkeit als Unternehmensberater erlitten hätte? Zum Beispiel auf dem Weg zu einer Besprechung mit einem Kunden. Vermutlich hätte W. über eine private Berufsunfähigkeitsversicherung verfügt. Bei einem Beitragsaufkommen von rund 130 Euro monatlich hätte die Versicherung monatlich etwa 3.000 gezahlt. Er hatte eine Laufzeit bis zum 60. Lebensjahr abgeschlossen. Die Rente endet dann. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung bestehen keine Ansprüche. Als Freiberufler hätte W. sich bei der Berufsgenossenschaft freiwillig versichern können. Bei der Verwaltungs-BG hätte der Beitrag bei einer Versicherungssumme von 72.000 etwa 250 Euro Jahresbeitrag gekostet. Im Falle der unfall-bedingten völligen Erwerbsminderung hätte die BG 4.000 Euro monatlich gezahlt – und zwar lebenslang und ohne Anrechnung der privaten Berufs- und Unfallversicherung. Fazit: Freiberufler und andere Selbständige müssen Krankheits- und Unfallrisiken privat absichern. Der Versicherungsschutz sollte mindestens der Absicherung eines Arbeitnehmers entsprechen. Die freiwillige Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Unfallversicherung kann eine sehr gute und preiswerte Ergänzung sein. Allerdings leisten die Berufsgenossenschaften nicht bei Freizeitunfällen.

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