Rentenversicherungsinfos für Existenzgründer

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Bin ich Arbeitnehmer oder selbständig?

Bevor Sie über Vorsorgemodelle nachdenken müssen Sie wissen, ob Sie als Arbeitnehmer oder Selbständiger zur gesetzlichen Vorsorge verpflichtet sind. Erst dann können Sie planen, ob und in welchem Umfang Ihnen finanzielle Mittel zur weiteren privaten oder staatlich geförderten Altersvorsorge bleiben.
Die Prüfung, ob Sie zum Kreis der in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtigen Personen gehören sollten Sie sorgfältig durchführen. Seit 2001 sind Selbständige, die der Versicherungspflicht unterliegen verpflichtet, sich bei der gesetzlichen Rentenversicherung zu melden. In den letzten Jahren gab es für viele vermeidlich Selbständige ein böses Erwachen, wenn die Situation falsch eingeschätzt wurde. Beitragsforderungen wurden von der gesetzlichen Rentenversicherung bis zum Ablauf der gesetzlichen Verjährungsfrist geltend gemacht.

Abhängig beschäftigt oder selbständig? Wie prüfe ich das?

Meistens ist die Prüfung einfach (typisches Arbeitsverhältnis). Es gibt aber auch Zweifelsfälle, in denen die Abgrenzung nicht einfach ist (z. B. GmbH-Gesellschafter Geschäftsführer).

Die gesetzliche Definition lautet: „Beschäftigung ist die nicht selbständige Arbeit insbesondere in einem Beschäftigungsverhältnis. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Arbeitgebers“. Manchmal hilft die gesetzliche Definition nicht weiter. Das Bundessozialgericht und das Bundesarbeitsgericht haben Kriterien zur Abgrenzung einer Beschäftigung von einer selbständigen Tätigkeit entwickelt:

Abhängige Beschäftigung

  • Keine Verfügungsmöglichkeit über die eigene Arbeitskraft
  • Kein Unternehmerrisiko
  • Vereinbarung von Lohnabzug
  • Vereinbarung von Urlaub
  • Keine eigene Betriebsstätte
  • Keine Eingliederung in den Betrieb
  • Berichtspflicht u.a.
  • Von einer selbständigen Tätigkeit spricht man:
  • Eigene Betriebsstätte
  • Freie Entscheidung über Betriebsmittel
  • Unternehmerisches Risiko
  • Freie Preiskalkulation
  • Einsatz eigenen Betriebskapitals
  • Eigene Werbung
  • Freie Entscheidung über Arbeitszeit
  • u.a.

Wichtig:Wenn Sie oder Ihr Arbeitgeber nicht sicher sind, ob eine Arbeitnehmereigenschaft vorliegt oder nicht, können Sie ein „Statusfeststellungsverfahren“ bei der Deutschen Rentenversicherung einleiten. Verlassen Sie sich nicht auf Ihre Interpretation. Das Statusfeststellungsverfahren ist kostenlos. Anschließend haben Sie ein verbindliches Ergebnis, auf dem Sie Ihre weitere Planung aufbauen können.

Ich bin selbständig, habe aber keine Ahnung, ob ich dem Personenkreis angehöre, der in der gesetzlichen Rentenversicherung „zwangsgeschützt“ wird.

Der Gesetzgeber hält bestimmte Selbständige für „besonders schutzwürdig“. Deshalb hat er diese Selbständigen „zwangsgeschützt“: sie sind in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig. die auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind und im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen in der gesetzlichen Rentenversicherung „zwangsversichert“. Diese Selbständigen sind aus Sicht des Gesetzgebers besonders schutzwürdig.

Versicherungspflicht besteht für folgende selbständig tätige Personen:

  • Lehrer und Erzieher,
  • Pflegepersonen in der Kranken-, Wochen, Säuglings- oder Kinderpflege,
  • Hebammen und Entbindungshelfer,
  • Seelotsen,
  • Künstler und Publizisten nach näherer Bestimmung des Künstlersozialgesetzes,
  • Hausgewerbetreibende,
  • Küstenschiffer und Küstenfischer,
  • Gewerbetreibende, die in die Handwerksrolle eingetragen sind,
  • Personen, die auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind und im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen,
  • Personen, die einen Existenzgründungszuschuss (Arbeitsförderung) erhalten.

Wichtig!: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie einem „besonders schutzwürdigen“ Personenkreis angehören, sollten Sie unbedingt eine Klärung durch die „Deutsche Rentenversicherung“ herbeiführen.

Ich bin selbständig aber „zwangsgeschützt“ und deshalb versicherungspflichtig in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Was muss ich zahlen? >> Rentenrechner

Kann ich mich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen?

Nur die Selbständigen mit nur einem Auftraggeber können sich für die Dauer von drei Jahren nach Aufnahme der Selbständigkeit befreien lassen. Alle anderen nicht. Da gibt es höchstens die Möglichkeit in den ersten drei Jahren einen ermäßigten Beitrag zu zahlen. Achtung: Es sind immer Fristen einzuhalten. Lassen Sie sich weitergehend beraten.

Ich bin selbständig und kann tun und lassen was ich will. Und nun? Wohin mit meinem Geld?

Eine gesetzliche Altersvorsorge besteht nicht. Sie müssen sich unbedingt um eine für Sie geeignete private Altersvorsorge kümmern. Ermitteln Sie was Ihnen nach Abzug aller Lebenshaltungskosten – vergessen Sie nicht die Beiträge für Ihre Berufsunfähigkeitsabsicherung - für die Vorsorge monatlich übrig bleibt. Kalkulieren Sie nicht zu knapp. Es ist besser den Vorsorgeplan später zu ergänzen als ihn wegen Geldmangel nicht einhalten zu können. Beziehen Sie bei Ihren Überlegungen auch Ihre langfristige Lebensplanung mit ein. Vielleicht planen Sie den Erwerb einer Immobilie. Auch das ist eine gute Vorsorge. Sie sollten nun ein paar Euros übrig haben sonst wird’s später Probleme geben.

Jetzt geht’s an die weitere Vorsorge:

Rechnen Sie aus, was Ihnen nach Abzug aller Lebenshaltungskosten und nach Abzug des schon verplanten Beitrages für Ihre Berufsunfähigkeitsverssicherung und die Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung für die weitere Vorsorge monatlich übrig bleibt.

Kalkulieren Sie nicht zu knapp. Es ist besser einen Vorsorgeplan später zu ergänzen als ihn wegen Geldmangel nicht einhalten zu können. Beziehen Sie in Ihre Überlegungen auch Ihre langfristige Lebensplanung mit ein. Vielleicht planen Sie den Erwerb einer Immobilie. Auch das ist eine gute Vorsorge.

Hier ein paar Vorschläge wie es weiter gehen könnte:

  • Aktien
  • Aktienfonds
  • Immobilienfonds
  • Lebensversicherungen
  • Banksparplan
  • Verzinsliche Wertpapiere
  • Bausparvertrag
  • Fondsgebundene Renten- und Kapitallebensversicherungen
  • Klassische private Rentennversicherung bei der Sie nach Ablauf entscheiden können, ob Sie das Kapital oder eine Rentenzahlung erhalten möchten.

Vorteil: Flexibel, frei in der Höhe und Ausgestaltung

Nachteil: keine steuerliche Förderung, bei Arbeitslosigkeit (Arbeitslosengeld II-Bezug) müssen Sie Ihr Erspartes bis auf geringe Freibeträge erst mal aufbrauchen.

Wenn Sie sich für diese Vorsorge entscheiden, sind Ansprechpartner Banken, Sparkassen und Versicherungen.

Suchen Sie eine staatlich geförderte und sichere Anlage?

Dann kommen z. B. eine „Leibrente“ wie die Rürup-Rente infrage. Aber: Lassen Sie sich gut beraten, ob diese Anlageform die richtige für Sie ist.

Ich gehöre einem freien Beruf an – wie ist das mit der Berufsständischen Versorgung?

Die berufsständischen Versorgungswerke sind Sondesysteme, die für die kammerfähigen freien Berufe der Ärzte, Zahn- und Tierärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer usw. die Pflichtversicherung bezüglich der Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung sicher stellen.

Wenn Sie einem Freien Beruf angehören, erkundigen Sie sich bei der Kammer oder dem Berufsverband, ob ein Versorgungswerk besteht und ggf. welches für Sie zuständig ist.

Das wichtigste Regelwerk ist die jeweilige Satzung des Versorgungswerkes. Fordern Sie eine aktuelle Ausgabe der Satzung an. Die Satzung informiert über

  • Aufbau der Versorgung
  • Mitgliedschaft
  • Beiträge
  • Leistungen

In der Regel bieten die berufsständischen Versorgungswerke auch informative Broschüren für alle neuen Mitglieder kostenlos an.

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